Einführung in die Sozialarbeit IV/V: Methodik

Der Titel dieser Einleitungsübung war ursprünglich: „Von der Fürsorge zur Dienstleistung“, und erzählt werden sollte die Geschichte der Sozialarbeit; es sollte berichtet werden von ihrem sogenannten „Paradigmenwechsel“. Allerdings dachten wir dabei nicht an jemanden, der Ihnen einen akademischen Vortrag hält; denn dem hätten Sie glauben können oder auch nicht. Sondern wir wollten jemanden erzählen lassen – jemand, der persönlich glaubwürdig ist, weil er selber dabei war. – Davon gibt es allerdings nicht allzuviele, und es ist uns jedenfalls nicht gelungen, beizeiten einen von den drei oder vier für heute zu verpflichten.

[stelle statt dessen C. Wolfgang Müllers Buch vor : „Wie Helfen zum Beruf wurde“, 2 Bde., Beltz-Verlg. 1988ff]

Durch diese praktische Schwierigkeit sind wir auf ein systematisches, oder methodisches Problem aufmerksam geworden, das wir ansonsten vielleicht übersehen hätten: die „historische Methode“ ist gar nicht so didaktisch, wie man immer glaubt! Sie ist anschaulich, aber unter Umständen gerade dadurch irreführend! Denn von der Geschichte einer Sache kann nur der berichten, der schon weiß, was das überhaupt für eine Sache ist. Also welche Geschichte er da erzählt. Wessen Geschichte… Die Besonderheit unseres Fachs ist es aber gerade, dass… höchst umstritten ist, wo es anfängt und wo es aufhört. Umstritten, worin es überhaupt besteht.

Die Einführung in einen Kurs wie diesen muss mit der Frage beginnen: Was ist Sozialarbeit überhaupt?

Und ich denke, wenn wir den Kurs gemeinsam zu einem Erfolg machen können, dann wird dieser Erfolg aus der Einsicht bestehen, daß die Antwort… in der Frage selbst liegt.

Was Sozialarbeit ist, wird dadurch definiert, dass sie betrieben wird.

Das klingt paradox, ist es aber nicht. Es ist nur eben so, daß Sozialarbeit eine schlechterdings praktische Disziplin ist. Das festzustellen, macht übrigens ein bisschen auch die „Tendenz“ dieses unseres Kurses aus, und ist nicht ’selbstverständlich‘. Die „Lehr“-Methode muß dem Charakter des Fachs entsprechen.

Wir wollen darum diesen Kurs vorrangig in Form eines gemeinsamen Gesprächs, in Form von Colloquien durchführen, in denen Begriffe aus der Konfrontation der Gesichtspunkte entstehen können, statt dass die Begriffe fix und fertig vom Dozenten mitgeteilt werden.

Das wird Ihnen bekannt vorkommen, denn das hört man heute überall. Es ist nämlich zunächst einmal nur ein didaktischer Kunstgriff. Die Erfahrung lehrt ja, daß im sog. „Frontalunterricht“ die Aufmerksamkeit nie ganz gefesselt wird und immer wieder mal abschweift – und mitunter ganz zerstreut wird. Das Gespräch, in das alle Anwesenden abwechselnd einbezogen werden, hält einfach das Interesse länger wach. Es ist, kurz gesagt, ein Mittel gegen die Langeweile. In einem streng theo- retischen Fach – Mathemathik z. B. – wäre der kollo- quiale Stil ein bloßer Trick des Lehrers.

Aber wir haben es ja mit Sozialarbeit zu tun, und die ist, wie gesagt, eine praktische Disziplin. Da kommt es gar nicht so sehr darauf an, positives Wissen anzuschatzen, als vielmehr darauf, Problemlagen zu erkennen und zu verstehen. Dazu sind selbstverständlich allgemeine Begriffe brauchbar: denn sie sind die Prüfsteine, an denen Sie eine konkrete Situation analysieren („erken- nen“) und beurteilen („ver- stehen“) können.

Doch das Analysieren und das Beurteilen werden Sie stets selber machen müssen, das nimmt Ihnen der Begriff ja nicht ab!

Was der Begriff taugt – wozu er tüchtig ist -, hängt immer davon ab, welchen Gebrauch Sie davon machen.

Es kommt in unserm Fach also nicht so sehr auf die theoretische („objektive“) Wahrheit der Begriffe an, sondern auf ihre operationelle, „praktische“ Brauchbarkeit. Die Begriffe sind in unserer Disziplin lediglich Werkzeuge, „Denk-Zeuge“, und als solche sollte man sie zweckmäßigerweise aus dem Gebrauch selbst entstehen lassen.

Daher der methodische Grundsatz unseres Kurses: die Begriffe aus dem gesprächsweisen Gebrauch selbst hervorbringen.

Dabei ist es dann immer wieder nütz lich, sich berichten zu lassen, wie und unter welchen Umständen die Begriffe, die es auch in der Sozialarbeit ja schon gibt, seinerzeit einmal entstanden sind: das ist der „historische“ Teil des Kurses; oder sich berichten zu lassen, was Begriffe, die wir aus andern Fächern übernommen haben, in ihrem Herkunftsgebiet „eigentlich“ bedeuten. Die Sternstunden unseres kritischen Ansatzes sind dann immer die, wenn es uns gelungen ist, wiedermal einer jener heimlichen Selbstverständlichkeiten auf die Schliche zu kommen, die unsern Beruf für das seelische Gleichgewicht so gefährlich machen…

Das wäre nach meinem Verständnis die Aufgabe der Dozenten. Die Teilnehmer, also Sie, sollten sich dabei aber bewußt sein, daß das nicht die leichtere, sondern die schwerere Aufgabe für einen Referenten ist! Zuhaus ein wasserdichtes Referat niederschreiben, unter Zuhilfenahme gedruckter Bücher, dazu braucht man schlimmstenfalls nichts als Fleiß. Ein Rundgespräch zu einem Ergebnis führen, das ist viel schwerer. Es geht überhaupt nur, wenn der Dozent sich auf die aktive Teilnahme der Hörer verlassen kann.

Das war meine dritte Vorbemerkung.

V. Übung

Und hier soll nun – nicht gleich eine Diskussion, sondern erst einmal eine Übung anschließen, nämlich eine Übung in – der Kritik!

Aber nicht so, daß der eine den andern kritisiert, sondern so, dass wir uns mal ansehen, wie die Wörter so gebraucht werden – und ihren Gebrauch dann vergleichen und abwägen.<

Ich sagte eingangs, mich hätte von Anfang an gegen die „theoretische“ Seite der Sozialarbeit der undeutliche und willkürliche Wortgebrauch eingenommen. Es sollte mich wundern, wenn es der einen oder dem andern unter Ihnen nicht ebenso ginge.

Denken Sie nur mal an den Gebrauch der Ausdrücke „Sozialarbeit“ und „Sozialpädagogik“:

Bedeuten beide dasselbe – mehr oder weniger?

– sind sie gleich=gültig?

– ist der einige richtig („passend“), der andere falsch („unpassend“)?

ist der eine „hauptsächlich“ (Oberbegriff ), der andere „nebensächlich“ ( Unterbegriff ) ?

Diejenigen unter Ihnen, die es wurmt, dass sie den wahren Sinn dieser Wörter „immer noch nicht begriffen haben“, kann ich trösten: Das liegt daran, dass er tatsächlich umstritten ist.

{ Übungen :

Verteilung von Frage A

10 Minuten zur Ausfüllung des Fragebogens.

Einsammeln, direkt anschließend: Verteilung von Frage B<

5-10 Minuten zum Ausfüllen.

Auswertung von Frage A.; anschließend

Auswertung von Frage B

zusammen eine Dreiviertelstunde ?!

Anschließend mündlich:}

Frage: Welche Tätigkeiten/Einrichtungen der Sozialarbeit sind uns „historisch“ bekannt?

bzw.: was von dem, was uns historisch bekannt ist, könnten wir aus heutiger Sicht als „Sozialarbeit“ bezeichnen?

Sammeln an der Tafel…

ca. 30 Minuten}

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~ von Panther Ray - September 22, 2008.

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